Zu diesem Predigttext gibt es auf dieser Seite zwei Predigten mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Über diese Links gelangen Sie zur jeweiligen Predigt:

1. Predigt 

2. Predigt

Predigt zu Lukas 19, 1-10 am Sonntag Kantate (im Konfirmationsgottesdienst)

Predigt zu Lukas 19, 1-10 Konfirmation Konfirmationspredigt Bibelverse Konfirmationssprüche Konfirmationsverse
Foto: Martina Heins


1 Jesus ging nach Jericho hinein und zog durch die Stadt. 2 In Jericho lebte ein Mann namens Zachäus. Er war der oberste Zolleinnehmer in der Stadt und war sehr reich. 3 Er wollte unbedingt sehen, wer dieser Jesus sei. Aber er war klein und die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht. 4 So lief er voraus und kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus sehen zu können; denn dort musste er vorbeikommen. 5 Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und redete ihn an: »Zachäus, komm schnell herunter, ich muss heute dein Gast sein!« 6 Zachäus stieg schnell vom Baum und nahm Jesus voller Freude bei sich auf. 7 Alle sahen es und murrten; sie sagten: »Bei einem ausgemachten Sünder ist er eingekehrt!« 8 Aber Zachäus wandte sich an den Herrn und sagte zu ihm: »Herr, ich verspreche dir, ich werde die Hälfte meines Besitzes den Armen geben. Und wenn ich jemand zu viel abgenommen habe, will ich es ihm vierfach zurückgeben.« 9 Darauf sagte Jesus zu ihm: »Heute ist dir und deiner ganzen Hausgemeinschaft die Rettung zuteilgeworden! Auch du bist ja ein Sohn Abrahams. 10 Der Menschensohn ist gekommen, um die Verlorenen zu suchen und zu retten.«

Ich möchte für diesen Tag eine Prognose abgeben

für alle Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, Paten und sonstige „ältere“ Menschen ab 30. Ich bin mir sicher, dass Sie heute irgendwann zwei Gedanken haben und sie vielleicht auch aussprechen, zum einen werden Sie daran denken, wie es damals war, als Sie noch jung waren, und zum anderen werden Sie daran Gedanken verlieren, wie  schnell doch die Zeit und das Leben vergeht, und die Eltern werden sich darüber wundern, wie schnell sie doch alt geworden sind.

Meine Frage nun an Sie: Was würden Sie denn den Konfirmanden oder anderen Jugendlichen für einen Rat geben, damit sie später sagen können, das war gut, das hat mir geholfen, mein Leben sinnvoll zu gestalten?

Mein Rat heute an euch Konfirmanden und an Sie alle lautet: Lebe selbst!

Ich behaupte einmal, dass wir die meiste Zeit nicht selbst leben, sondern gelebt werden. Wir lassen uns von anderen bestimmen und sogar gängeln.

Ein Mann, etwas älter als 40, erzählte mir: Ich entdecke jetzt, dass ich immer Angst vor anderen Menschen hatte. Mein Problem, war, ich suchte bei den anderen immer die Bestätigung, dass ich wertvoll bin. Ich hoffte auf Anerkennung und hatte Angst, sie nicht zu bekommen. Also habe ich alle Kraft darauf verwandt und alles getan, um Anerkennung von anderen zu bekommen. Dieser Mann hat nicht selbst gelebt, sondern er hat anderen Macht gegeben, über seinen Wert zu bestimmen. Die anderen konnten wie bei den „alten“ Römern den Daumen hoch oder runter halten und damit über sein Selbstwertgefühl entscheiden.
Laut einer Untersuchung sind 91 % aller Frauen mit ihrem Körper unzufrieden. Haben Sie das gewusst?

Nicht weil sie merken, dass sie nicht mehr fit sind oder sich nicht gut fühlen, sondern weil sie denken, die anderen könnten denken, die ist nicht mehr schön. Deshalb haben Fitnessstudios, Joggen, Diäten, Cremes und Pillen Hochkonjunktur. Und sie denken: Wenn ich wieder denken kann, dass die anderen denken, die ist schön, dann geht es mir besser und ich bin glücklicher. Sie machen sich abhängig von anderen, von einem Schönheitsideal, das andere festlegen. Das Verrückte aber ist, dass sie, wenn sie es geschafft haben, trotzdem nicht glücklicher sind. Aber sie haben sich gequält und viel sinnvolle Zeit vergeudet. Was ich hier für Frauen beschreibe, trifft in zunehmendem Maß auch auf Männer zu.

Schauen wir uns einmal Zachäus an, über den in unserem Abschnitt berichtet wird.

Er hoffte, dass er durch viel Geld glücklich wird. Das glauben ja viele Menschen. So tat er alles, um an Geld zu kommen. Dafür war er bereit, seine eigenen Prinzipien über Bord zu werfen, die Leute aus seinem eigenen Volk zu betrügen und auszubeuten und gegen sein eigenes Volk für die verhasste römische Besatzungsmacht zu arbeiten. Für Geld hat er alles getan, sogar seine eigene Persönlichkeit dafür aufgegeben und verbogen. Er hat nicht selbst gelebt, sondern ist vom Geld bestimmt worden, weil er hoffte, durch das Geld und durch das, was man davon kaufen kann, glücklich zu werden.

Wir alle, Jugendliche und Ältere, haben Wünsche für unser Leben.

Wir möchten wertvoll sein, glücklich, geliebt werden, Anerkennung bekommen, irgendwo dazugehören und anderes mehr.

Damit wir das bekommen, tun wir häufig, was andere gut finden. Wir verbiegen uns, passen uns an und unterwerfen uns.

Denken Sie einmal darüber nach, wie viel Kraft brauchen Sie, um das zu bekommen, was Sie sich da wünschen im Freundeskreis, von Arbeitskollegen, Chefs oder auch in der Familie?
Und wie ist es bei euch Konfirmanden? Wie viel tut ihr, um angesehen zu sein, dazuzugehören in der Schule, zu einer Clique oder zu bestimmten Personen, um akzeptiert zu werden? Dafür gebt ihr manches auf an Meinung, Überzeugung und Persönlichkeit.
Wir lassen uns bestimmen, lassen uns leben, um das zu bekommen, was wir ersehnen, ein bisschen Wert, Glück, Anerkennung, Liebe.
Es ist ein absoluter Irrtum, wenn wir meinen, dadurch glücklich zu werden, dass wir tun, was bei anderen gut ankommt.

Predigt zu Lukas 19, 1- 10 Konfirmationspredigt Konfirmation Frei sein Freiheit Drahtseil Hängebrücke über dem Abgrund
Foto: Martina Heins

Selbst leben, heißt frei sein, frei sein können, weil ich nicht mehr angewiesen bin auf das, was ich mir von anderen an Glück, Wert und Liebe erhoffe.

Ich muss mich nicht mehr von anderen abhängig machen, um das zu bekommen, was ich mir ersehne im Leben. Selbst leben, frei sein, das kann ich, wenn ich das alles bekomme, ohne dass ich meine Persönlichkeit dabei verdrehen muss, mit einer inneren Freiheit und Unabhängigkeit. Aber wie geht das, frei davon zu sein?
Zachäus hat in der Begegnung mit Jesus gemerkt, das Leben, das ich mir wünsche, das bekomme ich da bei ihm. Nun brauche ich das andere, von dem ich bislang mehr Lebensqualität erhoffte, nicht mehr. Und er befreit sich von dem, was ihn vorher abhängig gemacht hat. Es ist nicht mehr wichtig. Jetzt kann er so leben, wie es seiner Persönlichkeit entspricht.


Der Mann, von dem ich vorhin berichtete,
sagte mir dann noch: Ich habe schon lange an Gott geglaubt, aber jetzt habe ich erst begriffen, dass ich von Gott einen Wert habe, den man nicht kaputt machen kann. Jetzt war er wirklich frei. Er brauchte sein Selbstwertgefühl nicht mehr durch die Anerkennung bei anderen suchen. Jetzt konnte er selbst leben.
Wie viel glücklicher könnten Jugendliche, Frauen und Männer sein, wenn sie nicht mehr dem hinterherlaufen würden, was andere meinen, was gut ist, sondern frei wären.

Predigt zu Lukas 19, 1-10 Konfirmation Konfirmationspredigt Johannes 10,9 Hebräer 13, 20-21 Jesus der gute Hirte Impuls der Woche Kalenderwoche 9 Home Passion Passionszeit Passionsweg Leidensweg einen Weg im Leiden gehen einen Weg mit Jesus gehen Predigt zu Lukas 4, 16-31 Matthäus 17, 1 - 9 Römer 8, 31 - 39 Lukas 7, 11 - 17 Philipper 4, 4 Matthäus 10, 34-39 Kirchliches Leben Menschwerdung Gottes Predigt zu Lukas 15, 1-7 Predigt zum Lesen Jesaja 50, 4-9 Palmarum Jesus Reden Lukas 18 Jesus Erbarmen Kirchliche Feiertage Ostern Osterlamm Weihnachten Gottes Welt Himmelreich
Foto: Martina Heins


Diese innere Freiheit, selbst zu leben, bekommen wir bei Jesus.

Wir bekommen Wert, Selbstbewusstsein, Liebe, Anerkennung, Sinn und alles, was für ein erfülltes, glückliches Leben notwendig ist. Das macht frei, selbst zu leben, ohne Angst vor einem Scheitern die Herausforderungen des Lebens anzupacken und für andere da zu sein. So ein Leben ist einfach großartig!

Ich möchte euch und Ihnen drei Tipps geben, was ihr tun könnt, um dieses Ziel zu erreichen:

Als erstes macht euch klar, was ihr wirklich wollt im Leben.

Was soll euer Leben sinnvoll und erfüllt machen? Was entspricht eurer ganz besonderen, von Gott gegebenen Persönlichkeit, so dass ihr am Ende sagen könnt, mein Leben war gut und sinnvoll?

Als zweites habt den Mut, ganz zielgerichtet darauf zuzugehen.

Lasst euch nicht ablenken von dem, was „man so tut“, wie „man sein muss“. Jesus sagt uns in Matthäus 7, 13+14, dass der breite Weg, auf dem viele gehen, ins Verderben führt. Der schmale Weg führt zum Leben und nur wenige gehen ihn. Das ist nicht immer einfach, aber es lohnt sich. Denn Gott hat sich bei jedem einzelnen von euch etwas Wunderbares gedacht, warum ihr so und nicht anders seid. Und wenn das verloren geht, ist das für euch und für andere sehr schade. Entdeckt, wer ihr wirklich seid, was ihr könnt und wollt und lebt es auch!

Und als drittes hört noch einmal genau hin, wie Gott mit euch umgeht.

Er will nicht mit euch etwas zu tun haben, weil er von euch profitieren, euch vielleicht sogar ausnutzen will, sondern weil er euch etwas geben will. Und das ist besser als alles andere, was ihr sonst hört und bekommen könnt. Wir finden das alles bei Jesus. Bleibt an ihm dran und lernt von ihm euer ganzes Leben!

Was Jesus uns sagt und gibt, ist die beste Hilfe, um sein Leben selbst zu leben,

um innerlich wirklich frei und unabhängig zu sein, und um als eine eigene besondere Persönlichkeit selbst zu leben.
Ich wünsche Euch und Ihnen dazu Mut und Gottes Segen, denn es geht um euer Leben und davon habt ihr nur eins. Habt Mut, um euer Leben selbst zu leben!

Predigt zu Lukas 19, 1-10 e-cards zur Konfirmation Konfirmationspredigt christliche e-cards e-cards mit Bibelversen moderne e-cards e-cards mit Schuhen e-cards zum Thema unterwegs sein wandern laufen besonders gute e-cards
Foto: Martina Heins

 

Predigt zu Lukas 19, 1-10
Hier finden Sie alle Predigten zum Lesen
Hier finden Sie für die sonntäglichen Gottesdienste Begrüßungen und Gebete

 

Predigt zu Lukas 19, 1-10 am 14. Sonntag nach Trinitatis

Jesus irritiert Menschen mit seinem Handeln – Mach nicht dicht! Gott braucht dich!

1 Und er ging nach Jericho hinein und zog hindurch. 2 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. 3 Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. 4 Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. 5 Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. 6 Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. 7 Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. 8 Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. 9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. 10 Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

In einer Mitarbeiterrunde wurde die Frage diskutiert: Wenn Jesus heute wiederkommen würde, würde er dann Mitglied unserer Kirche sein? Einige meinten: Nein, denn so wie unsere Kirche aussieht, was wird er davon schon halten. Andere behaupteten: Er wäre mit Sicherheit Mitglied, denn das ist das Volk Gottes, und er ist auch nicht aus dem Volk Israel ausgetreten, aber so wie er damals an den frommen Juden gelitten hat, würde er heute auch an der Kirche leiden.

Wir vergleichen heute einmal die Kirche mit Jericho. Dahin ist er gekommen. Aber was passiert dann? Wie reagieren die Menschen auf Jesus: damals in Jericho, heute in der Kirche und wir?

Führen wir uns die Szene von Jericho vor Augen:

Jesus kommt mit einer kleinen Schar nach Jericho. Es hatte sich herumgesprochen, viele stehen am Straßenrand und warten: der Bürgermeister, Pastor, Lehrer, Geschäftsleute und andere Bürger, darunter auch Menschen, die mit Jesus schon etwas erlebt hatten, mit ihm gesprochen hatten, die er gesund gemacht hatte, bei denen er vielleicht schon im Haus war, und viele Neugierige. Sie alle stehen da und warten auf Jesus. Vielleicht gibt er Ihnen die Hand, lächelt ihnen zu, kommt in ihr Haus, so denken sie. Alle wären sie gerne darauf eingegangen, hätten sich darüber gefreut. Aber was macht Jesus? Wie taktlos und undiplomatisch von ihm! Er geht an allen vorbei und geht auf einen zu. Die anderen hatten noch gar nicht mitbekommen, was sich im Hintergrund abspielte. Ein kleiner Mann, ein Betrüger, skrupellos, Außenseiter, in den Augen vieler ein arroganter Taugenichts sucht sich einen Baum aus, um mit Abstand diesen Jesus einmal zu sehen. Und auf den geht Jesus zu.

Wie viele von den anderen, die dastanden, waren wohl enttäuscht und verärgert.

Nicht weil sie etwas gegen Jesus hatten, sondern weil sie ihn einfach nicht verstanden: Sie murren, machen dicht; selbst die Jünger waren bei solchen Auftritten Jesu oft irritiert. Sie hatten nicht verstanden, dass Jesus nicht gekommen war, um ein paar fromme Gespräche zu führen, oder um ihnen die Seele zu tätscheln, sondern, um die Verlorenen aufzusuchen und zu retten. Dazu war er in die Welt gekommen. Dafür ist er gestorben.

Wenn Jesus heute zu uns kommen würde, zu wem würde er gehen?

Er kann auf verschiedene Weise kommen,

zum Beispiel direkt als Person, durch vertiefte Glaubenserkenntnis oder neue Glaubensfreude, mit einem wichtigen Anstoß für das Gemeindeleben oder auch mit einer besonderen Begabung.

Zu wem würde er gehen?

Vielleicht nicht zu mir oder zu dir; vielleicht zu einem, der heute ganz zufällig hier ist, der sich in der Masse versteckt, um ja nicht aufzufallen, der nur mal Interesse hat, zu sehen, wie das hier so ist; vielleicht zu dem, der uns mit seinen Sticheleien immer wieder weh getan hat, der streitsüchtig ist, der uns ausgelacht hat, weil wir uns zur Kirche halten; vielleicht zum Nachbarn in der Mitarbeiterrunde, den ich nicht besonders gerne mag, oder vielleicht auch gar nicht zu uns in die Kirche, sondern zu jemand anderes?
Und zu dem geht Jesus und sagt: Bei dir kehre ich heute ein. Du bist heute gemeint.

Wie würden wir reagieren, wenn Jesus an uns vorüberginge, um zu dem anderen zu gehen, bei ihm einzukehren. Es ist doch manchmal schon schwer genug, sich in der Öffentlichkeit überhaupt zur Kirche zu halten, und dann so etwas. Wie würden wir reagieren: mürrisch, verletzt in unserer Eitelkeit oder voll Freude?

Man kann Jesus Vorhaltungen machen: Warum hältst Du Dich nicht zu denen, die Verantwortung tragen und deine Unterstützung benötigen; jetzt fällst du denen in den Rücken, die sich immer treu zur Kirche gehalten haben; du hast eine falsche Taktik gewählt: Besser wäre gewesen, du hättest über dein Vorhaben erst mit anderen geredet, um sie dafür zu gewinnen. So hast du sie nur vor dem Kopf gestoßen. Du hättest zu Zachäus auch zu einer anderen Stunde gehen können, wenn sich nicht so viele darüber aufgeregt hätten. Aber Jesus geht seinen Weg: Nicht weil er alle anderen nicht mochte oder uns nicht mag, sondern weil er einen Auftrag hat, weshalb er in diese Welt gekommen ist, nämlich Menschen in die Gemeinschaft mit Gott  zurückzuholen, auch wenn es Ärger einbringt und bei Jesus sogar den Tod.

Und so ist bei einem Menschen der Friede Gottes eingekehrt. Einer hat das Heil gefunden, und um ihn ging es.

Jesus lädt uns ein, ruft uns auf, als sein Volk uns auf diese Sendung, weshalb er in diese Welt       gekommen ist, einzulassen und nicht zu murren und dicht zu machen.

Wenn ich an all die Gespräche und Sitzungen in der Kirche zurückdenke, dann wurden Entscheidungen sehr oft danach gefällt: wem gefällt was am besten; wer murrt am lautesten; wen müssen wir zufriedenstellen; wer hat die größte Lobby, die besseren Beziehungen, die verletzbarsten Eitelkeiten. So entstehen viele ermüdende Diskussionen in Kirchenvorständen und Gemeindegruppen, zum Beispiel zu den Fragen, ob es nötig ist, sich mehr mit der Bibel zu beschäftigen oder Kindern den Glauben nahe zu bringen. Es waren Höhepunkte, wenn wir in Mitarbeiterkreisen gemeinsam darum gerungen haben, wie können wir am besten die Botschaft des Evangeliums zu den Menschen bringen und sie gemeinsam als Gemeinde leben.

Wir tun sehr viel in unseren Gemeinden: viele Besuche zuhause und in Krankenhäusern; es gibt für jede Altersgruppe einzelne Angebote, unterschiedliche Gottesdienste und viel Öffentlichkeitsarbeit; es wird gebastelt, meditiert, gereist, gefeiert, usw.; Es ist gut, dass wir viel machen und es könnte noch viel mehr sein, aber wir müssen uns dabei die Frage stellen: Warum tun wir das? Wollen wir hier etwas zum eigenen Wohlfühlen schaffen, für uns selbst oder für die, die Erwartungen haben und sonst murren, oder lassen wir uns ein auf die Sendung Jesu, die Verlorenen zu suchen und sie mit der erlösenden Botschaft von Jesus Christus zusammenzubringen. Denn das ist unser Auftrag, darum gibt es Kirche Jesu Christi und darum gibt es Gemeinde heute. Was würde das für einen neuen Geist in unsere Gemeinden bringen, wenn wir gemeinsam mit Begeisterung, Feuer und Leidenschaft danach fragen und darum beten, wie wir mit Jesus die Verlorenen suchen können.

Deshalb mach nicht dicht! Gott braucht dich: als Einzelner, als Gemeindegruppe, als Kirchenvorstand, als Kirche. Wir sollen mitmachen an Jesu Auftrag mit all unserer Liebe zu Christus und zu den Menschen,  mit Mut und Phantasie, mit unterschiedlichen Gaben und mit allem, was wir sind und haben.

Die Menschen von Jericho sind an Jesus vorbeigegangen, weil sie ihm nicht nachgefolgt sind. Sie wollten etwas für sich, aber sie haben sich nicht eingelassen auf die Sendung Jesu und haben dicht gemacht. Wir als Kirche, als Christen gehen an Jesus vorbei, wenn wir im Glauben nur etwas für uns haben wollen, etwas Glücksgefühl, Frieden und schöne Stunden. Wir sind aufgerufen in die Nachfolge Jesu, um treu zu sein in der Nachfolge Jesu, um den Menschen das Reich Gottes nahe zu bringen, die Gemeinschaft mit Gott, seine Liebe, Vergebung, Hilfe, Barmherzigkeit.

Nun schauen wir uns Zachäus an: Bei Zachäus kehrt Gottes Heil ein!

Was gibt es Größeres auf der Welt, Wichtigeres für ein Leben als dass das Gottes Heil einkehrt. Der Mensch erhält von Gott Trost, Orientierung, Friede und Freude, die Ewigkeit.

Nach menschlichem Verständnis hatte Zachäus eigentlich alles: Geld, Freunde, Macht und Einfluss. Viele hätten einen guten Grund gehabt, auf ihn neidisch zu sein, aber das Entscheidende fehlte ihm. Nun hat er es durch Jesus gefunden und Jesus verändert sein Leben: „Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden!.” Die Ewigkeit Gottes mit allem, was in Gottes Welt gilt, ist in sein Leben gekommen. Jesus ist ans Ziel gekommen. Für diese Menschen wird er sterben, und sein Werk ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Im Himmel ist Freude, mehr Freude als über 99 Gerechte, die der Umkehr nicht bedürfen.

Und von diesen Menschen gibt es heute viele, die alles haben, und doch fehlt ihnen das Entscheidende. Wenn wir durch die Straßen gehen, sehen wir die schönen Fassaden: Gärten, Gardinen, Autos und Häuser, aber dahinter verbirgt sich so mancher Kummer, Leid und Not und so manche Sehnsucht  nach wahrem Leben, nach Frieden und Geborgenheit. Viele stillen ihre Sehnsucht im Konsum mit noch mehr materiellen Dingen, Urlaubsreisen, Wellnessprogrammen und Schönheitsidealen. Manche suchen es in selbstgestrickten religiösen Anschauungen, in Meditation, Esoterik, und die Kinder werden vollgestopft mit Überflüssigem und Nebensächlichem. Vom Glauben her können wir all diesen Menschen die einzig wahre Antwort geben. Sollen wir da dicht machen oder viel mehr alles dran setzen, damit Jesu Tod für diese Menschen nicht umsonst war, Freude in den Himmel kommt und wir uns mitfreuen, wenn irgendwo das Heil Gottes einkehrt.

Vielleicht begeben wir uns selbst noch einmal in die Rolle des Zachäus, eines Menschen, der auf der Suche ist, weil er weiß: das Entscheidende im Leben habe ich nicht und werde es auch nie bekommen, es sei denn es wird mir von Gott geschenkt. Ist es nicht großartig, wie Christus uns begegnet mit Liebe, Annahme, und ohne Vorhaltung; was er uns schenkt an Trost, Halt, Geborgenheit, Friede, Freude, Zuversicht, Ewigkeit, alles was uns nicht genommen werden kann und auch nicht zerbrechen kann. Wie schön, dass wir das erfahren können, und vielleicht sollten wir selbst uns noch einmal ganz neu öffnen, damit Christus mit seinem Geist unser Lebenshaus erneuern kann und wir selbst wieder neu erfahren, wie wunderbar es ist, wenn Gottes Heil in unser Lebenshaus kommt. Und wie wichtig wäre es, dass wir die Türen und Fenster unserer Gemeinden für Gottes Wirken öffnen, damit sein Heil zu uns und zu den Menschen kommen kann, und alles über Bord werfen, was darin hindert.

Mach nicht dicht! Gott braucht dich!

Das ist ein flotter Satz, aber es geht hier um etwas sehr Tiefes, um das Entscheidende für unser Leben, für unsere Gemeinden und für das Leben vieler Menschen.

Als Christus vor der Frage stand, ob er auf diese Erde kommen soll, da hat er nicht dicht gemacht, sondern alles drangegeben, seine himmlische Welt und sein irdisches Leben, aus Liebe zu uns, um uns armselige Menschen in seine Ewigkeit zu holen.

Daran mitzuwirken und mitzuarbeiten, dazu lädt er uns ein, ruft er uns auf.

Sagen Sie selbst: Ist das nicht wunderbar? Lohnt sich dafür nicht unser Einsatz?

Predigt zu Lukas 19, 1-10
Hier finden Sie alle Predigten zum Lesen
Hier finden Sie für die sonntäglichen Gottesdienste Begrüßungen und Gebete