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Predigt zu Johannes 7, 37-39 am 6. Sonntag nach Ostern Exaudi
Kleine Kinder sind süß! Aber es gibt ein Problem: Sie werden groß! Wenn Kinder kleine Tiere sehen, dann wollen sie eins haben und am liebsten mit ins Bett nehmen. „Das ist so süß!“, heißt es dann. Gemeint ist das Lamm, das Ferkel, das Kalb, der kleine Tiger, egal, Hauptsache klein. Die Kinder ahnen noch nicht, was auf sie zukommt, wenn das Tier groß wird.

Bei Kindern ist nun nicht das Problem, dass sie größer werden, sondern dass sie immer selbständiger werden und werden müssen:
Sie lernen laufen, gehen alleine aus dem Haus, später ziehen sie ganz aus dem Haus aus und dazwischen sind viele Etappen des Selbstständig Werdens. Irgendwann müssen sie mit allem im Leben alleine fertig werden. Erwachsene wissen, was auf sie zukommt an Freud und Leid, Problemen, Sorgen, Ängste, Gefahren, dunkle und schwere Zeiten und tausende von guten und schlechten Angeboten, das Leben zu gestalten, und in alledem müssen sie sich immer wieder für einen Weg entscheiden.
Die Frage, die uns heute beschäftigen soll, lautet: Was geben wir unseren Kindern mit, damit sie mit alledem gut fertig werden können? Gleichzeitig ist das auch die Frage an uns selbst,
was wir selbst haben, um mit alledem gut umzugehen? Denn nur, was wir selber haben, können wir auch weitergeben.
Es gibt drei Grundfragen des Lebens, auf die jeder eine Antwort finden muss und sich auch gibt, wenn er psychisch gesund durchs Leben gehen will.
Die erste Frage heißt: Was gibt mir Halt im Leben?
Was gibt mir die Gewissheit, dass ich zuversichtlich in die Zukunft gehen kann? Wenn ich immer in Angst vor der Zukunft lebe, werde ich krank.
Die zweite Frage lautet: Was gibt mir Orientierung?
Bei den vielen Angeboten, muss ich eine Idee haben, welches der richtige Weg ist und welcher Weg mir wirklich ein gutes und erfülltes Leben gibt, denn das wollen wir haben, ein erfülltes Leben, damit wir nicht am Ende sagen müssen, es war alles vergeblich, mein Leben hatte keinen Sinn.
Und schließlich die dritte Frage: Wie werde ich mit dem Sterben fertig?
Auch wenn wir diese Frage gerne beiseiteschieben, betrifft sie uns alle, entweder im eigenen Sterben, oder wenn Menschen sterben, die uns nahestehen, oder wenn auch nur diese Gefahr auftritt, es könnte mir oder einem anderen passieren.
Die meisten Menschen geben darauf folgende Antworten:

Wenn es um den Halt im Leben geht,
bauen wir unser Leben auf vier „Säulen“ auf: materielle Sicherheit, menschliche Beziehungen, Gesundheit und eigene Kraft und vertraute Gewohnheiten im Leben. Der eine legt mehr Gewicht auf die eine Säule und ein anderer mehr auf eine andere Säule. Wir tun alles, um diese vier Säulen stabil aufzubauen und zu erhalten.
Die zweite Antwort hängt mit der ersten zusammen.
In der Regel orientieren wir uns an dem, wovon wir uns den größten Halt, Sinn und Erfüllung im Leben versprechen. Wer es zum Beispiel vom Geld erwartet, wird alles tun, um möglichst viel davon zu bekommen und seine Entscheidungen danach ausrichten, wer es von Beziehungen erwartet, wird Familie und Freundschaft oben anstellen und wer es von Anerkennung erwartet, wird dafür alles tun, sie zu bekommen.
Über die dritte Frage denken die meisten am liebsten nicht nach.
Sie wird verdrängt und wenn sie dann doch plötzlich damit konfrontiert werden, stehen sie ziemlich ratlos und fassungslos da.
Solange das alles klappt mit diesen „Säulen“, ist alles in Ordnung, aber was ist, wenn man merkt, dass die Entscheidungen falsch waren und eine oder mehrere Säulen anfangen zu bröckeln?
Welche Antwort gibt Jesus Christus uns darauf?
Bei der dritten Frage relativ klar.
Im Glauben an Jesus Christus weiß ich, dass das, was nach dem Tod kommt, noch schöner ist als das Schönste in dieser Welt. Ich gehe diesen Weg nicht allein, sondern Christus ist bei mir. Christus ist meine Hoffnung, dass ich in seine Ewigkeit komme, weil er mich liebt. Ich brauche keine Angst vor dem Tod zu haben.
Gehen wir zur ersten Frage nach dem Halt.
Viele Menschen, auch viele Christen denken: Jesus Christus muss mir helfen, dass die vier „Säulen“, die ich aufgebaut habe, auch stabil bleiben. Wenn sie anfangen zu bröckeln, soll er mir helfen, dass sie wieder gut werden. Die vier „Säulen“ bleiben der Halt, aber ich habe jemand, der Reparaturarbeiten durchführt. Andere sehen im Glauben eine fünfte Säule, die vielleicht ganz nett, aber nicht wirklich wichtig ist. Und die genauso zerbrechen kann wie die anderen.
Jesus sagt: Ich bin die eine „Säule“, der eine Halt,
das heißt, er ist die eine große Säule, auf die wir das ganze Leben aufbauen können. Diese eine Säule bildet den ganzen Halt. Die anderen Säulen können da sein, aber wenn sie zerbrechen, zerbricht nicht der Halt, den Jesus uns gibt. Mit ihm als Lebensgrundlage haben wir einen unzerbrechlichen Halt. Wir sind bei ihm geliebt und geborgen. Er hält uns im ganzen Leben und bis in die Ewigkeit fest an seiner Hand. Unzählige Zusagen Jesu und Erfahrungen von Christen geben uns diese Gewissheit.
Diese Antwort gibt auch die Antwort auf die zweite Frage vor, nach der Orientierung.
Wenn Jesus mein wirklicher Halt ist, werden wir alles tun, um möglichst eng mit Jesus Christus verbunden zu sein. Wir werden ihm so viel Vertrauen entgegenbringen, dass wir davon überzeugt sind, dass das, was er sagt, gut für uns ist. Wenn er zum Beispiel sagt, dass wir unsere Feinde lieben und ihnen verzeihen sollen, dann dient das auch unserer eigenen Entlastung, weil wir frei werden von Groll und Ärger über diese Menschen. Oder wenn er sagt, dass wir unser Herz nicht an Geld oder Menschen hängen soll, will er verhindern, dass wir mit zugrunde gehen, wenn wir das verlieren.
Aber der Glaube an Jesus ist noch mehr.
Im Glauben geht es nicht nur darum, was wir bekommen können, sondern noch viel mehr, wie wir in die Lage versetzt werden, etwas zu geben, denn es ist ein Lebensgeheimnis, dass wir ein erfülltes Leben nicht durch das erhalten, was wir bekommen, sondern durch das, was wir weggeben können. Geben und lieben können wir aber erst, wenn wir wissen, dass für uns gesorgt wird und wir eine Quelle für unser erfülltes Leben haben, die nie versiegt. Wenn wir das nicht wissen, müssen wir immer für uns kämpfen und mit der Angst leben, dass unsere eigenen Lebensvorräte nicht reichen.

Deshalb ist die Zusage, die Jesus uns in Johannes 7, 37-39 gibt von grundlegender Bedeutung für unser Leben:
37 Am letzten Festtag, dem Höhepunkt des ganzen Festes, trat Jesus vor die Menge und rief: »Wer durstig ist, soll zu mir kommen und trinken – 38 jeder, der mir vertraut! Denn in den Heiligen Schriften heißt es: ›Aus seinem Innern wird lebendiges Wasser strömen.‹«[39 Jesus meinte damit den Geist Gottes, den die erhalten sollten, die ihn im Glauben annehmen. Damals war der Geist noch nicht gekommen, weil Jesus noch nicht in Gottes Herrlichkeit aufgenommen war.
Halten wir uns dieses Bild vor Augen: Jesus ist eine Quelle des Lebens,
die nie versiegt für unseren Weg, unseren Halt, unsere Orientierung und unsere Hoffnung im Leben und Sterben. Wie oft denken wir: Ich habe keine Kraft mehr, ich fühle mich so leer. Wie viel Menschen leiden am Burn-out Syndrom, an Depressionen und anderen seelischen Problemen. Hier ist die Antwort. Mit Jesus haben wir eine Quelle, die uns in die Lage versetzt, zu geben, zu lieben, für den anderen da zu sein, weil wir wissen, dass ER, Jesus Christus, für uns sorgt.
Zum Schluss möchte ich Ihnen eine Frage zum Nachdenken mitgeben: Welche Antworten auf die zentralen Fragen des Lebens geben Sie zum Beispiel Ihren Kindern und was ist Ihre Quelle für Ihr Leben?
Predigt zu Johannes 7, 37-39
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Predigt zu Johannes 7, 37-39 am Sonntag Quasimodogeniti
37 Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! 38 Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen. 39 Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.
Woher nehmen Sie die Kraft für Ihr Leben?
In guten Zeiten ist das keine Frage, denn dann haben wir Kraft, um allen Herausforderungen zu begegnen. Wenn aber schwere Zeiten kommen, wie zum Beispiel Krankheit, der Tod eines lieben Menschen, Probleme bei der Arbeit oder in der Familie, was gibt uns dann Kraft zum Durchhalten, um Mut und Hoffnung zu behalten und in alledem das Leben positiv zu gestalten, in Liebe mit den anderen umzugehen, Freude und Hoffnung zu verbreiten und Gutes zu bewirken. Das ist oft sehr schwer, und wenn wir ehrlich sind, merken wir, wie uns das oft nicht gelingt, viel zu oft. Es ist gut, wenn man dann Menschen zur Seite hat, die einem Mut machen, beistehen, Ratschläge geben und vielleicht ein Stück tragen; wenn man selber Kraft hat, um immer wieder aufzustehen und weiterzugehen. Aber wie weit reicht das zum Durchhalten oder gar, um alles gut zu machen?
Wir können nur das aus uns hervorbringen, was auch in uns steckt.
Und da befinden sich neben guten Dingen, die wir hervorbringen auch viel anderes, wie zum Beispiel die Angst um unsere Position, um die Zukunft, um unser Ansehen und ein gutes Weiterleben, Neid, Eifersucht, Missgunst, Streben nach Macht und Größe, Rachegefühle, Siegeswillen und vieles mehr.
Was soll dabei herauskommen, wenn wir allein auf die Kraft von uns oder anderen Menschen vertrauen, um Mut und Hoffnung zu behalten und um auch noch wirklich Gutes zu tun für uns und für andere Menschen.
Die Kraft zu einem wirklich guten Leben kommt allein von Gott,
denn Gott allein ist gut, von ihm allein kommt nur Gutes. Er ist die Quelle des Lebens, die Quelle des guten, heilen Lebens.

Haben Sie schon einmal eine Steppenlandschaft gesehen?
Sie ist nicht ganz wüst und öd, ab und zu wachsen ein Strauch, einige Gräser und vereinzelte Tiere leben dort, aber es ist kein Ort, wo viele Menschen, Tiere und Pflanzen gut leben können. Was die Steppe zum Blühen und zu einem guten Lebensraum macht, ist Wasser, denn die Erde ist meistens fruchtbar. Es fehlt nur Wasser. Das Land muss bewässert werden, dann kann aus der kargen Landschaft eine blühende und fruchtbare Gegend werden und vielen Menschen Lebensraum geben.
So sind wir Menschen wie eine Steppe: wir schaffen es, ein paar gute Früchte hervorzubringen, da ist aber auch noch vieles öd und leer. Erst der Einfluss Gottes, sein „lebendiges Wasser“, sein Heiliger Geist, kann aus unserer Steppe fruchtbares Land machen, kann wirklich gutes Leben schaffen, das bestimmt ist von Hoffnung, Freude, Frieden und Liebe. Erst wenn wir aus der Quelle Gottes schöpfen kann Leben in uns wachsen, das von Gott kommt, das nach dem Bild Gottes neu entsteht und in der Ewigkeit vollkommen wird und von dem andere Menschen zehren können.

Diese Kraft Gottes, seinen heiligen Geist brauchen wir alle.
Und genau das verheißt Jesus uns. Jesus sagt uns in Johannes 4, 10 zu: Ich bin das lebendige Wasser für euch, wenn ihr mit vertraut. Meinen Geist bekommt ihr, wenn ihr mich im Glauben annehmt.
Wir leben auf Pfingsten zu, wo Gott das zum ersten Mal wahrgemacht hat, dass die Kraft Gottes durch seinen Geist Menschen angefüllt hat, aber die Zusage gilt auch für uns.
Was müssen wir tun, damit Gott mit seinem Geist unter uns und in uns wirken kann? Ich möchte hier drei Dinge nennen:
Wir müssen anerkennen, dass wir selbst nicht mehr als eine „Steppe” sind,
dass wir ab und zu schon etwas Gutes zustande bringen, aber es fehlt eben noch sehr viel, und dass wir dazu Gottes Hilfe brauchen. Denn solange wir noch meinen, wir schaffen das schon alleine ganz gut, warum sollen wir uns dann öffnen für Gott und nach seiner Hilfe Ausschau halten.
Das geht zwar auf der einen Seite gegen unseren Stolz, aber auf der anderen Seite sehnen wir uns doch alle nach der Kraft, die uns in schweren Zeiten Halt und Hoffnung gibt und die uns hilft, das Leben positiv zu gestalten. Wir wünschen uns das für unser eigenes Leben, für das Leben anderer und für die christliche Gemeinde.
Deshalb müssen wir erkennen: Aus unserer „Steppe” kann nur fruchtbares Land werden, wenn Gott selbst mit seinem lebendigen Wasser den Boden fruchtbar macht.
Wir müssen uns Jesus zuwenden und ihm vertrauen, vertrauen, dass er uns helfen will und auch kann und dass er es gut mit uns meint.
Gottes Wege sind oft ganz anderes als unsere: Wo wir Erfolg sehen, sieht Gott vielleicht eine Niederlage, und wo wir den Eindruck haben, es zerbricht alles, fängt Gott vielleicht an, etwas ganz Neues in unserem Leben aufzubauen. Diese Wege Gottes verstehen wir häufig nicht, und dennoch sollen wir ihm vertrauen, uns in seine Hand geben wie ein kleines Kind seinen Eltern vertraut. Einfach blind vertrauen, ohne in die Zukunft sehen zu können, das fällt die meisten Menschen schwer, aber um dieses Vertrauen zu Christus geht es.
Wir müssen uns dem Einfluss von Jesus aussetzen.
Als die ersten Christen den Heiligen Geist bekamen, da sind sie zusammengekommen und haben sich mit dem Wort Gottes beschäftigt, zusammen gebetet, Abendmahl und Gottesdienst gefeiert und alles miteinander geteilt (Apostelgeschichte 2, 42-47). Sie haben es nicht getan, weil sie jetzt besonders gute Leistungen vollbringen wollten, sondern weil sie sich in die Gegenwart Gottes begeben und seinem Einfluss ausgesetzt haben. Denn bei Jesus ist die Quelle der Kraft Gottes, nicht bei uns selbst. Christus muss im Mittelpunkt unseres Lebens und der Gemeinde stehen, nicht wir. Zu ihm müssen wir uns hinwenden und davon prägen und gestalten lassen. Wenn wir das nicht tun, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn die „Steppe” eine „Steppe” bleibt.

Wenn wir das aber tun, dann haben wir die große Verheißung,
dass Gott uns anfüllt mit seinem Geist und wir immer mehr aus der Kraft leben können, die von Gott kommt. Je mehr wir uns ihm öffnen und ehrlich zuwenden, ihm vertrauen und uns seinem Einfluss aussetzen, desto mehr kann Gott uns mit seiner Kraft anfüllen und gestalten.
Für die christliche Gemeinde gilt deshalb, dass alle Mitarbeitenden alles dafür tun, dass Menschen in der Gemeinde den Weg zur Quelle Gottes finden, zu Jesus Christus, ihm vertrauen lernen und sich seinem Einfluss aussetzen können, damit Gottes Zusage sich in der Gemeinde und in jedem Mitglied der Gemeinde erfüllen kann.