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Teil 2 – Richtig beten!
Teil 3 – Gottes Antwort
Teil 4 – Gottes Antwort verstehen
Predigt zu Daniel 9,18
am 3. Sonntag nach Epiphanias
zum Thema: Gebet Teil 1- Erhörungsgewissheit
„Wir liegen vor die mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“
Das Gebet gehört zu den vier Grundsäulen des christlichen Lebens.
Sie werden in Apostelgeschichte 2, 42 genannt. Es sind das Wort Gottes, die christliche Gemeinschaft, das Abendmahl und das Gebet. Und auch wenn viele Menschen jahrelang kein Abendmahl feiern, nicht regelmäßig in die Kirche gehen und keine christliche Gemeinschaft pflegen, hat das Gebet für viele noch eine große Bedeutung. Manche beten jeden Abend oder Morgen und andere beten, wenn sie in Not geraten. Während beim Abendmahl, der christlichen Gemeinschaft und dem Wort Gottes das Bewusstsein nicht oft mehr da ist, dass das eine große Hilfe für das persönliche Leben ist, glauben und hoffen viele Menschen an die Hilfe durch das Gebet.
Das Gebet ist auch eine ungeheure Kraftquelle.
Durch das Gebet werden wir „angedockt“ an die Ewigkeit, der Himmel öffnet sich für uns, die Kraft Gottes, die Fülle der Ewigkeit steht uns zur Verfügung, und das kann unser ganzes Leben beeinflussen.
Die Praxis des Gebets kann sehr unterschiedlich sein.
Man kann zu bestimmten Zeiten beten,
zum Beispiel morgens oder abends. Man sollte dann beten, wenn der Geist am frischesten ist und man klar denken kann.
Mir hat es oft geholfen, wenn ich mir dann vorstelle, dass ich zu Füßen meines himmlischen Vaters sitze, er mir liebevoll über den Kopf streicht und ich ihm alles erzählen kann, was so passiert ist am Tag, was ich vorhabe, was für Sorgen und Freuden ich habe und ich kann ihm sagen, wie sehr ich mich freue, einen so großartigen Vater im Himmel und großartigen Herrn zu haben.
Mit ihm zu reden ist noch viel besser, als mit dem besten Freund zu reden,denn Gott kann man wirklich vertrauen. Er erzählt nichts weiter, nutzt das nicht gegen uns aus, sondern behandelt alles mit seiner Liebe. So können wir Gott alles anbefehlen und ihn bitten, dass er daraus macht, was er für gut hält.
Die andere Form des Gebets zeigt uns Paulus im 1. Thessalonischer 5, 17, wenn er sagt: „Betet ohne Unterlass“!
Paulus sagt uns damit: Lebt in dem Bewusstsein, dass euer Herr ständig bei euch ist und seid ständig mit ihm im Gespräch.
Man kann es vergleichen mit einer langen Autofahrt eines Ehepaares.
Wenn das Ehepaar nicht gerade zerstritten ist, werden die beiden nicht den ganzen Tag schweigen und sich dann am Abend erzählen, was sie gesehen und erlebt haben, sondern sie werden sich immer wieder unterhalten, zum Beispiel über das, was sie gerade sehen: „Sieh mal da oder da!“ oder was gerade passiert, zum Beispiel über die andere Autofahrer oder gefährliche Situationen, oder sie reden über das, was sie gerade denken.
So können wir ständig im Gespräch sein mit Jesus auf der Reise durch den Tag und durch das Leben.
Er ist immer dabei. Wir können ihn zum Beispiel in ganz konkreten Situationen fragen: „Herr, was soll ich machen?“, „Was denkst du zu der Situation?“ oder ihm gestehen „Da habe ich aber Mist gebaut!“ oder ihn bitten „Herr, hilf mir!“ Und das können wir überall tun: bei der Arbeit, zuhause, bei Freunden, im Auto oder wenn wir allein sind. So können wir Gott alles anbefehlen.
Aber was macht uns so sicher, dass Gott, bzw. Jesus zuhört, da ist und uns hilft?
Manchmal sagen Menschen: Gott hat nicht geholfen,
und der hat es wirklich nicht verdient, dass er so viel leiden musste. Wir Menschen neigen immer dazu, dass wir meinen, wir könnten vor Gott etwas aufrechnen und einfordern. Wir zeigen dann Gott unser Leben und unsere Taten, und meinen dann: Gott muss uns eine Gegenleistung in Form von Hilfe geben. Bei entsprechender Leistung ist Gott sogar verpflichtet dazu. Und wenn er es nicht tut, ist mit Gott etwas nicht in Ordnung. Und dann sehen wir unser Gebet auch schnell als gutes Werk, das Gott belohnen muss.
Aber wir können uns nicht vor Gott hinstellen und sagen: Ich biete dir großartige Leistungen in meinem Leben, und was gibst du mir dafür?
Daniel sieht das ganz anders. Er sagt: Unsere eigene Gerechtigkeit hilft uns nicht weiter. Darauf können wir nicht bauen.
Das Volk Israel hatte in der Gefangenschaft in Babylon gerade eine lange Durststrecke hinter sich. Die Menschen hatten große Schuld auf sich geladen und überhaupt keinen Anspruch auf Gottes Zuwendung. Worauf sollten sie also vertrauen?
Aber hatte der fromme Daniel nicht einen Anspruch auf Gottes Hilfe? Auch er selbst sieht das nicht, denn wer wirklich fromm ist wie Daniel, der sieht seine eigene Unvollkommenheit noch mehr als jemand, der sich wenig um Gott kümmert.
Das Gebet an sich ist schon ein Geschenk, dass wir überhaupt mit Gott reden dürfen. Es ist niemals ein gutes Werk, sondern ein besonderes Vorrecht, Gnade.
Und die Erhörung unserer Gebete ist keine Gegenleistung Gottes, sondern einfach nur sein Erbarmen, seine Barmherzigkeit.
„Wir liegen“
ist Ausdruck der Bitte um Barmherzigkeit. Genauso ist knien ein Zeichen der Unterwerfung und der Bitte um Barmherzigkeit. Es ist gut, wenn wir das manchmal auch so praktizieren. Und wenn wir es nicht äußerlich tun, dann sollen wir aber die innere Einstellung haben und damit bekennen: Ich habe nichts; ich habe nur die Barmherzigkeit Jesu, auf die ich hoffe und vertraue.
Durch Jesus wissen wir, dass Gott uns barmherzig ansieht, wenn wir zu Jesus gehören.
Deshalb ist es so wichtig, dass wir mit Jesus verbunden sind, denn wie können wir ohne Jesus auf Barmherzigkeit Gottes hoffen, dass er sich uns zuwendet? Worauf wollen wir hoffen, doch wieder auf das, was wir sind und leisten, aber was ist das?
Wenn wir zu Jesus gehören, dann wissen wir, dass Gott uns so ansieht als würde er seinen über alles geliebten Sohn ansehen. Denn Jesus hat uns das zugesagt, dass wenn wir zu ihm gehören, Gottes Liebe und Barmherzigkeit auch uns gilt. Und darauf können wir vertrauen.
Um Jesu willen können wir darauf vertrauen, dass Gott unsere Gebete erhört.
Aus Barmherzigkeit und Liebe hört Gott alle unsere Gebete. Und er antwortet! Darauf können und sollen wir ganz fest vertrauen.
Deshalb ist das Gebet so ein großes Vorrecht, so eine große Chance für unser Leben. Wenn wir mit Jesus verbunden sind, dann sind wir durch das Gebet mit dem allmächtigen Gott, mit unserem Vater im Himmel verbunden. Ist es nicht manchmal eine Schande, dass wir dieses Vorrecht so wenig in Anspruch nehmen, diese Chance so wenig nutzen. Und was für eine Freude ist es, dass wir diese Möglichkeit haben! Was für ein Vorrecht gegenüber Menschen, die nicht an Jesus glauben.
Wir können Ihm alles anbefehlen und dann vertrauen und wissen, dass er es gut macht.
Nun werden manche sagen: Ich erlebe oft nicht, dass Gott meine Gebete erhört. Darauf werde ich in den nächsten Predigten eingehen.
Predigt zu Daniel 9,18 zum Thema: Gebet Teil 1- Erhörungsgewissheit
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Predigt zu Daniel 9, 18 am Sonntag Rogate
„Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“
Der Pastor und Buchautor Axel Kühnert schreibt in seinem Buch: „Überlebensgeschichten für jeden Tag“ über das Gebet:
„Allen Menschen steht im Gebet die Tür zu Gott weit auf, aber nur die wenigsten gehen wirklich hindurch.“
Stellen Sie sich vor: Sie gehen durch eine Tür, und auf der anderen Seite sind sie in einer anderen Welt, in der Ewigkeit Gottes, und dort wartet Gott, Ihr himmlischer Vater auf Sie. Und Sie können sich ihm zu Füßen setzen und ihm alles erzählen, was Sie bewegt.
Ist das nicht schön? Das ist das Gebet.
In einem anderen Bild stelle ich mir Gott als weisen Begleiter vor, der überall mitgeht und bei mir ist bei der Arbeit, im Urlaub, im Privatleben und bei allem anderen. Ich kann ihn zwischendurch fragen, zum Beispiel in einer schweren Sitzung oder bei Entscheidungen: Was meinst du denn, was ich jetzt machen soll, oder ihn bitten: Hilf mir jetzt, ich weiß nicht weiter. Oder ich kann Gott kurz danken: Danke, du hast mir wirklich aus der Patsche geholfen!
Die Möglichkeit, dass wir beten können, mit unserem himmlischen Vater reden, ist ein wunderbar großes Geschenk.

Durch das Gebet werden wir angedockt an die Ewigkeit, der Himmel öffnet sich für uns,
so wie eine Raumfähre andockt an die Raumstation. Die Kraft Gottes, die Fülle und der Reichtum der Ewigkeit wird uns zur Verfügung gestellt.
Viele haben so die Kraft des Gebetes erfahren. Darüber wird in der Bibel berichtet und auch in der Geschichte der Christen bis heute haben sehr viele das erlebt. Und wenn wir unsere
Erfahrungen mit dem Beten zusammentragen würden, was würde da alles zusammenkommen: Erfahrungen, wie uns das Beten Kraft gegeben hat, manchmal nur für den nächsten Schritt, dass das Gebet Geborgenheit schenkt und Mut, wenn man sich in Gottes Hand weiß; wie das Gebet von Lasten befreit, von Sorgen und Ängsten, von Schuld und Verletzungen, und so manche Erfahrung, wo Gott unsere Bitten erfüllt hat.
Wer betet, weiß: Der allmächtige Gott interessiert sich für mein Leben. Und ich darf bei ihm sein und ihm alles erzählen. Was für ein wunderbares Geschenk!
Doch gleichzeitig entstehen gerade beim Beten für viele Menschen Zweifel an Gott.
Kinder, die in kindlichem Glauben beten, fangen an zu zweifeln, weil ihr Opa doch nicht gesund geworden ist, ein Streit in der Familie nicht beendet wurde oder aus einem anderen Grund. Wie oft höre ich von Erwachsenen: Ich habe für einen Menschen gebetet, dem es richtig schlecht ging, aber Gott hat nicht geholfen und da habe ich meinen Glauben verloren. Vielleicht haben Sie selber auch schon mal geschrien: Gott, warum tust du nichts?
Hört Gott unsere Gebete denn nicht oder reagiert er nur auf besonders gute und fromme Menschen oder auf besonders gute Gebete,
so dass die einen sich hinstellen können und sagen: Gott, sieh auf mein Leben, meine Taten, meine Gebete! Habe ich nicht ein Anrecht auf deine Hilfe. Und andere müssten dann sagen: Was habe ich Gott schon zu bieten, dass er auf meine Gebete hören sollte? Ich habe doch viel zu viel falsch gemacht im Leben.
Daniel
galt damals, als das Volk Israel in der Gefangenschaft in Babylon unterdrückt war, als ein besonders frommer Mensch, und man traute ihm zu, dass er besonders viel mit seinem Gebet bei Gott erreichen kann.
Er macht hier deutlich: Wir können uns nicht vor Gott hinstellen und sagen: Ich biete dir großartige Leistungen in meinem Leben. Was gibst du mir dafür? Wir brauchen aber auch keine Angst zu haben, dass Gott unsere Gebete nicht anhört, weil wir uns zu schlecht fühlen oder gerade wirklich etwas Schlechtes getan haben.
Das Einzige, worauf wir vertrauen können und sollen, ist Gottes Barmherzigkeit.
„Wir liegen vor dir.“ Das ist wie das Knien beim Beten ein Ausdruck dafür, dass ich nichts zu bieten habe und angewiesen bin auf seine Barmherzigkeit.
Wir wissen durch Jesus, dass Gott uns barmherzig ansieht.
Jesus hat uns das zugesagt: Wenn du zu mir gehörst, dann gilt Gottes Liebe und Barmherzigkeit auch dir! Dann sieht Gott dich so an, als würde er seinen über alles geliebten Sohn ansehen. Um Jesu willen können wir darauf vertrauen, dass Gott alle unsere Gebete hört.
Und wir können darauf vertrauen, dass er auf unsere Gebete antwortet.
Manchmal sagt er „JA“! Dein Anliegen ist gut. Es entspricht meinem Willen. Deine Bitte wird erfüllt. Manchmal sagt er aber auch „Nein“! Was du da erbittest, ist nicht gut oder ich erfülle deine Bitte „anders“ oder „später“. Dann sind wir vielleicht enttäuscht, manchmal verstehen wir Gott auch nicht oder wir fragen verzweifelt: Gott, warum tust du denn nichts?
Aber was wäre, wenn Gott alle Bitten so erfüllen würde, wie sich das jeder wünscht? Wäre das denn wirklich gut?
Kennen Sie den Film „Bruce allmächtig“? Bruce, ein junger Mann, darf für eine Zeit in einem Stadtteil Gott spielen. Schon nach kurzer Zeit kann er die ganzen eingehenden Gebetsanliegen nicht mehr bewältigen. Sein genialer Einfall: Er beantwortet alle mit „Ja“. Zuerst sind alle Menschen total glücklich, aber dann bricht das Chaos aus.
So würde es bei uns auch aussehen. Wir hätten schon längst einen Zusammenbruch des Finanzsystems, Lernen wäre überflüssig, denn jeder würde Einsen bekommen, auch wenn er faul war, alle Frauen würden aussehen wie ein Model und die Männer würden sich auch nur bestimmte Typen auswählen. Jeder würde sich seine gute Welt schaffen.
Die Frage ist, ob wir Gott vertrauen,
dass er besser weiß, was gut ist, auch wenn er andere Wege mit uns geht, auch wenn wir es nicht verstehen, und dass wir ihm vertrauen, dass er in Liebe und Barmherzigkeit mit uns umgeht.
Aber wenn wir beten, geht es nicht nur darum, ob und wie Gott unsere Bitten erfüllt. Viel wichtiger ist, dass wir einfach die Gemeinschaft mit unserem himmlischen Vater pflegen und genießen.
Manche meinen, das Gebet sei so etwas wie ein frommer Rückzug aus der Welt, aber das Gegenteil ist der Fall. Martin Luther hat einmal sinngemäß gesagt: Je mehr du arbeitest, das heißt aktiv die Welt gestaltest, desto mehr sollst du beten. Man kann sagen: Das Gebet ist die beste Hilfe gegen einen „bourn-out“.
Im Beten können wir frei werden
von Lasten, die uns ermüden, von Sorgen um uns oder um andere, die uns manchmal erdrücken. Wir können Gott alles anbefehlen und darauf vertrauen, dass er es gut macht. Dann können wir unbeschwerter, mutiger und zuversichtlicher in die Zukunft gehen.
Das Gebet ist wie eine Tankstelle,
wo wir neue Energie bekommen. Es ist die Kraftquelle für unser Leben, um die Aufgaben anzugehen und zu bewältigen. Es ist wie eine ständig sprudelnde Quelle der Liebe, um seine Liebe zu erfahren und seine Liebe weiter zu geben. Im Gebet bekommen wir die Kraft, um uns mit Mut und Zuversicht um die Probleme und Sorgen der Welt zu kümmern.
Durch Jesus steht uns die Tür zu unserem himmlischen Vater offen. Wir brauchen nur hindurchzugehen.
Schließen möchte ich mit einer kurzen Anekdote aus Surinam: In Surinam haben sich die Christen, weil ihre Häuser nur aus einem Raum bestehen, einen Gebetsplatz im Wald gesucht, wohin sie täglich gingen, um dort in der Stille allein mit Gott zu reden. Die Gebetswege waren mit der Zeit wie ausgetretene kleine Pfade. Eines Tages sagte ein Eingeborener zu seinem Nachbarn ganz liebevoll: „Du auf deinem Gebetsweg wächst langsam das Gras!“


