Weihnachtspredigt
zu Lukas 2, 14 am 1. Advent 

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens

„Friede auf Erden“, das ist eine schöne Botschaft, aber glauben Sie das?

Vor 30 oder 40 Jahren haben noch viele geglaubt, dass man den Frieden auf der Welt bauen kann, aber mittlerweile glaubt doch kaum noch jemand an diesen frommen Wunsch. Die Wirklichkeit spricht jedenfalls eine andere Sprache. Das hat sich in den letzten 2000 Jahren nicht verändert. Es ist jedenfalls nicht besser geworden.

Was Sie aber hoffentlich noch kennen und in sich haben, ist die Sehnsucht nach Frieden, gerade weil wir den Unfrieden überall zur Genüge erleben.

Und so möchten wir, wenn es den Frieden schon nicht gibt, ihn doch wenigsten an einigen Stellen erleben, einfach als Zeichen dafür, dass Frieden doch noch möglich ist, ein Zeichen, das uns Hoffnung gibt.

Ab und zu Frieden, aber das ist schon schwer genug:

Zumindest mit einem Menschen muss doch Frieden möglich sein, so hoffen wir. Deshalb heiraten wir, und dann streiten wir uns darüber, wer die Spülmaschine einräumen soll oder wegen sonstiger Nebensächlichkeiten. Wenn schon nicht auf Dauer, dann muss es doch für einen Tag möglich sein, in der Ehe am Hochzeitstag oder in der Familie an Weihnachten oder doch wenigsten für eine Stunde beim Essen. Manchmal gelingt es und manchmal kracht es gerade dann fürchterlich, weil die Erwartungen oft viel zu groß sind, und dann sagt jemand ein falsches Wort, ein Kind meckert über das Essen oder ein Erwachsener hat nicht den passenden Gesichtsausdruck, und schon ist der schöne ersehnte Friede wieder dahin. Wenn wir Erwachsenen es nicht schaffen, dann soll doch wenigsten im Anblick eines kleinen Kindes, das so friedlich liegt, ein Gefühl von Friede in uns aufsteigen, aber das Kind wird auch größer und weiß schon sehr schnell, was es heißt, sich zu streiten. Und wie ist es in der Kirche?  Da sieht es häufig auch nicht besser aus.

Wir wünschen uns diese Zeichen, denn wenn wir ab und zu den Frieden richtig erleben, dann gibt uns das Hoffnung, dass Frieden auch in größeren Zusammenhängen oder Zeitabschnitten möglich ist.

Manchmal gelingt es ja auch,

und dann keimt die Hoffnung auf, so könnte es doch immer sein. Viele gute Vorsätze werden dann gedacht oder ausgesprochen, aber im nächsten Augenblick können wir schon wieder vor einem Scherbenhaufen stehen, wenn einer nicht so mitspielt, wie wir es uns gewünscht haben.

Ist das alles nur Illusion und die Weihnachtsbotschaft nur ein frommer Wunsch, während die Realität anders aussieht?

Ja, die Realität sieht anders aus, und viele Menschen haben die Hoffnung und die Sehnsucht auf Frieden aufgegeben und sich eingerichtet in der Realität des Unfriedens. Hauptsache durchkommen und durchkommen tut nur der Stärkere, ist dann die Devise, oder man wird verbittert und hoffnungslos.

Aber wer die Sehnsucht nach Frieden in sich abgetötet hat oder sie hat abtöten lassen, der wird auch die Weihnachtsbotschaft nicht verstehen.

Da heißt es: „Denn das habt zum Zeichen”. Mit der Geburt Jesu ist die Welt nicht friedlicher geworden, aber Gott selbst hat an einer Stelle in der Geschichte der Erde den Frieden sichtbar gemacht mit einem Zeichen, das uns Hoffnung geben kann: Jesus. Da wird Friede sichtbar, wie er Menschen annimmt, die von anderen verurteilt werden, auch wenn andere ihn dafür hassen; wie er gegen die angeht, die Unfrieden stiften und ungerecht sind; wie er im Tod noch denen vergibt, die ihn kreuzigen. Mit seinen Wundern deutet er an, wie es in Gottes Welt aussieht, und was er sagt, ist wirklich gut und hilfreich, und er lebt es selbst genauso.

Da ist ein Zeichen, das Hoffnung gibt:

Wenn Gott eingreift, kann es auch anders sein als das, was wir in der Realität an Unfrieden erleben. Es ist nur ein Zeichen und noch nicht das Paradies auf Erden, aber es ist ein Zeichen, das nicht zerbricht, auch wenn der Hass um ihn herum noch so groß ist. Unsere menschlichen Zeichen sind wackelig und können leicht zerbrechen, aber Gottes Zeichen mit dem Namen Jesus hält.

Vor einiger Zeit hatte ich ein Gespräch mit einem jungen Mann.

Er sagte: „Ich habe leider sehr viel Negatives mit sogenannten Christen erlebt, da ist mein Glaube ganz schön ins Wanken geraten.“ Ich habe ihm darauf geantwortet: „Wenn ich mich auf das verlassen würde, was ich in der Kirche sehe, dann würde ich schon lange nicht mehr glauben, aber wenn ich Jesus sehe, dann ist das etwas ganz anderes. Dann kann ich glauben und darauf verlasse ich mich.“

Dem Zeichen des Friedens, dem ich allein vertrauen kann, ist nicht die Kirche, die Idylle eines weihnachtlichen Kindes, ein Mensch oder ein schöner Tag, sondern dem Zeichen Gottes in Jesus Christus.

Nun kann man einwenden: Wenn es Gott war, der hier Frieden geschaffen hat, warum schafft er dann nicht den Frieden überall.

Das wäre schön. Damit könnte ich mich auch anfreunden, und Gott könnte es sicherlich auch! Aber nehmen wir einmal an: Gott würde jetzt eine Welt bauen, in der nur die Platz hätten, die ganz den Frieden leben würden so wie Jesus. Wer von uns wäre dann dabei? Wir müssten alle draußen bleiben.

Folgende Geschichte fand ich sehr beeindruckend:

Es kam ein junger Mann zu einem Weisen und beklagte sich über den Zustand der Kirche. Der Weise antwortete: Mach dich auf die Suche nach der vollkommenen Kirche, und wenn du sie gefunden hast, dann sollten du und ich ihr nicht beitreten, denn dann wäre sie schon nicht mehr vollkommen.

Mit unseren menschlichen Unfrieden stiftendenden Eigenschaften, die jeder in sich trägt, hätten wir alle keine Chance auf Gottes Welt.

Aber diese Chance will Gott jedem von uns geben.

Aber er will erst wissen, ob wir uns auch auf ihn einlassen, ob wir den Frieden mit ihm wollen, ob wir ihm vertrauen, denn ohne dieses Vertrauen werden wir keinen Frieden finden.

Deshalb sagt Gott: Wende dich diesem Zeichen zu, das ich euch gegeben habe: Jesus Christus!

Wenn Du den schon ablehnst, was willst Du dann bei mir, denn was Du bei ihm siehst, so wird es in Gottes Welt sein. Aber wenn du ihm vertraust, dich ganz auf ihn einlässt und die Gemeinschaft mit ihm möchtest, dann bist Du in der Ewigkeit willkommen und kannst meinen Frieden in aller Vollkommenheit erleben.

Gott hat uns ein Zeichen gegeben. Darauf ist Verlass.

Wer sich darauf einlässt und ihm vertraut, der kann bei ihm hier im Leben schon ein bisschen Gottes Welt erleben; der lernt von ihm, schon hier im Leben seinen Frieden zu leben und zu verbreiten, und der kann die Hoffnung haben, sie in der Ewigkeit vollkommen zu erleben.

Es geht Weihnachten nicht darum, ob wir es schaffen, ein Zeichen des Friedens zu setzen, sondern ob wir uns auf Gottes Zeichen einlassen

und uns darüber freuen, dass wir nun wirklich Grund zur Hoffnung auf Frieden haben können, weil Gott uns in Jesus Christus ein göttliches Zeichen gegeben hat, durch das der vollkommene Friede Gottes auf die Erde gekommen ist.

Weihnachtspredigt zu Lukas 2, 14
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