Predigt zu Johannes 1, 45-48 am Drittletzten Sonntag im Kirchenjahr
mit Vorstellung der neuen Konfirmanden
45 Philippus wiederum traf Natanaël und sagte zu ihm: »Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz geschrieben hat und den die Propheten angekündigt haben. Es ist Jesus aus Nazaret, der Sohn Josefs.« 46 »Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen?«, fragte Natanaël. Philippus antwortete: »Komm mit und überzeuge dich selbst!« 47 Als Jesus Natanaël kommen sah, sagte er: »Da kommt ein wahrer Israelit, ein Mann ohne Falschheit.« 48 Natanaël fragte ihn: »Woher kennst du mich?« Jesus antwortete: »Bevor Philippus dich rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.
Ich möchte euch Konfirmanden und Erwachsenen zunächst vier Fragen stellen:
1. Hast du einen Halt, eine Sicherheit in deinem Leben, der nicht zerbricht, den du nicht verlieren kannst?
Du hast sicher Freunde, von denen du glaubst, dass sie zu dir halten, deine Familie, vielleicht einen Beruf, Gesundheit und Fähigkeiten und vielleicht sogar ein großes Geldkonto. Wie sagt man so schön: “Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt“. Das alles gibt dir Sicherheit, um dein Leben zu gestalten. Aber viele Menschen haben sehr schmerzhaft erlebt, dass alles, was sie aufgebaut hatten, plötzlich weg war.
Was gibt dir dann noch Halt und Sicherheit im Leben?
2. Was macht dein Leben wertvoll, einzigartig?
Ist es das, dass du dir etwas leisten kannst, zum Beispiel viele Sachen und große Reisen, Freunde oder Freundinnen hast. Wie sagt man: „Der Grad, mit dem wir teilhaben am wirtschaftlichen Leben, entscheidet über unseren Wert.“ Ist es der Erfolg in der Schule oder die Karrierestufe im Beruf oder die Höhe des Gehalts oder entscheidet sich dein Wert an der Anerkennung durch andere? Das alles kannst du verlieren, weil du selbst versagst oder weil andere dir übel mitspielen.
Was macht dein Leben wertvoll, wenn du das alles nicht mehr hast? Was gibt dir dann noch ein Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein?
3. Woran orientierst du dich in deinem Leben, so dass du auch in 10, 20 Jahren oder am Ende deines Lebens sagen kannst: Es war gut, mein Leben war sinnvoll?
Wonach entscheidest du, was richtig oder falsch, gut oder schlecht für dein Leben ist? Bei den vielen Angeboten und Möglichkeiten, die wir heute haben, ist es nicht einfach, den richtigen Weg zu finden in den vielen kleinen Entscheidungen, aber auch in den großen Fragen des Lebens.
Hast du etwas gefunden, was dir eine wirklich gute Orientierung gibt?
4. Wie wirst du mit dem Sterben und mit dem Tod fertig?
Wir können das Thema verdrängen, beiseiteschieben und nicht darüber nachdenken. Aber es geht nicht, denn es holt jeden von uns ein, zum Beispiel wenn ein lieber Mensch stirbt oder wenn wir selbst sterben müssen.
Wie wirst du dann damit fertig, dass das Leben begrenzt ist?
Das sind vier Grundfragen im Leben eines jeden Menschen, und irgendwie muss jeder eine Antwort darauf finden.
Uns werden viele Antworten angeboten:
Die Werbung sagt: Kaufe, konsumiere, dann geht es dir gut, und es hilft wirklich, aber nur für einen kurzen Moment. Die Religionen bieten uns Verhaltensvorschriften, Meditationsübungen, Rituale an. Und sie geben vielleicht ein Gefühl der Befriedigung, aber helfen sie wirklich und dauerhaft? Die Naturwissenschaftler sagen: Man kann alles erklären, aber können sie Antworten auf diese Fragen geben? Andere sagen: Denk nicht nach, mach einfach weiter!
Welche Antworten gibst du dir auf diese Fragen? Tragen sie dich durch das Leben?
Nun erst einmal durchatmen. Ich erwarte jetzt keine Antworten, und ich gebe jetzt auch keine.
Liebe Konfirmanden, ich möchte, dass ihr in diesem Jahr die richtige Antwort herausfindet, Antworten, die für euer Leben halten. Der Konfirmandenunterricht gibt nicht die Antwort auf die Frage, wo es das beste T-Shirts, Handy oder die beste Party gibt, aber er gibt die einmalige Chance, euch mit den wichtigsten Fragen des Lebens zu beschäftigen. Nutzt diese Chance und setzt euch in Bewegung auf der Suche nach Antworten.
Liebe Erwachsene, welche Antworten gebt ihr euch selbst und den Jugendlichen mit auf den Weg?
Wir wollen uns jetzt kurz mit einem Bibeltext beschäftigen aus Johannes 1, 45-48:
Philippus war gerade Jünger Jesu geworden, vor Stunden oder Tagen, und trifft nun Nathanael. Ob die sich vorher schon kannten, wissen wir nicht. Philippus sagt: Wir haben den gefunden, der uns immer wieder angekündigt wurde, der von Gott kommt und der uns alle wichtigen Fragen beantworten kann.
Genauso möchte ich es euch sagen: Ich habe ihn gefunden, der uns die besten Antworten gibt, und ich möchte ihn euch zeigen, damit ihr bei ihm die wirklich guten Antworten findet.
Nathanael antwortet: Was kann aus Nazareth schon Gutes kommen!
Es ist so, als wenn wir sagen würden: Was kann aus Bischheim schon Wichtiges kommen! Wer kennt schon Bischheim? Aus Paris, New York, London, Madrid oder Hollywood, wenn von dort eine wichtige und berühmte Persönlichkeit kommen würde, aber Bischheim? Nazareth war nämlich ein kleines unbedeutendes Bergdorf im Norden des Landes. Die wichtigen Städte im Römischen Reich waren Athen, Rom, Antiochien oder Ephesus.
Aber so wie Nathanael reagieren heute auch viele Menschen. Sie denken und sagen: Was kann Jesus uns für unser Leben schon Wichtiges geben?
Viele Jugendliche denken, das sind doch alte Geschichten. Wir leben in einer modernen Welt, von der Jesus keine Ahnung hatte. Andere sagen: Hör mir auf mit Religion! Ich glaube nur, was man beweisen kann. Oder sie sagen: Das ist etwas für alte Leute oder für Menschen, die mit ihrem Leben nicht zurechtkommen.
Was kann von Jesus schon Wichtiges kommen?
Philippus sagt und das möchte ich euch auch sagen: Komm und überzeuge dich selbst.
Überzeuge dich selbst, oder hast du Angst, überzeugt zu werden?
Noch eins zum Schluss: Nathanael erlebt die erste Überraschung: Er ist Jesus noch nie begegnet, aber Jesus kennt ihn. Vielleicht bist du Jesus noch nie begegnet, aber er kennt dich.